Die Scham muss die Seite wechseln – aber wie? Von Scham, Schuld und Schande im Kontext sexualisierter Gewalt

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Fachveranstaltung

Bitte beachten Sie, dass die Plätze vor Ort bereits ausgebucht sind, aber unbegrenzt Plätze im Stream vorhanden sind. Wir führen außerdem eine Warteliste, sollten Plätze frei werden, was erfahrungsgemäß der Fall ist.

Mittwoch, 17.12.2025, 10-15 Uhr
Ort: forum k, Sankt-Pauli-Deich 24, 28199 Bremen

Die Veranstaltung wird hybrid übertragen.

„Die Scham muss die Seite wechseln!“ Dieser Satz von Gisèle Pelicot ging um die Welt und wurde anscheinend intuitiv verstanden. Dass Scham (oder auch Schande, französisch: honte) bei Betroffenen von sexualisierter Gewalt vorhanden ist, bei Täter*innen aber nicht oder nicht ausreichend, scheint „normal“ zu sein.

Woran aber liegt das? Ist Scham „natürlich“? Angeboren? Über Zeiten, Kulturen und Szenen hinweg? Oder doch sozialisiert, konstruiert, erlernt? Nur intersektional verstehbar? Warum schämen sich die Täter*innen nicht  – oder tun sie es doch? Wie politisch ist Scham und wie politisch ist sexualisierte Gewalt? Sollten vorhandene oder fehlende Schamgefühle nicht soziopolitisch statt individualistisch betrachtet werden? Und wenn dies nicht geschieht, was muss sich dann in der Gesellschaft, der Politik und dem Hilfesystem verändern?

In der Veranstaltung werden diese und andere Fragen erörtert im Gespräch mit Dr. Monika Hauser, Nora Kellner, Dr. Jonas Kneer, Laura Leupi, Loraine Dabaly Rehm, Lilian Schwerdtner und Dr. Laura Wolters, Sadaf Zahedi .

Anmeldungen unter: https://eveeno.com/233424818

Das Anmeldeformular ist leider nicht barrierefrei, Sie können sich jedoch auch direkt per E-Mail bei mir anmelden.

Zu den Personen:

Dr. Monika Hauser

Dr. Monika Hauser ist Fachärztin für Gynäkologie und feministische Aktivistin. 1993 gründete sie die Frauenrechtsorganisation medica mondiale e.V., die sich seit über 30 Jahren gegen sexualisierte Kriegsgewalt einsetzt und Machtverhältnisse bekämpft, die Frauen unterdrücken und verletzen. Dabei unterstützt medica mondiale Überlebende auf vielfältige Weise. Für ihre Initiative erhielt Hauser zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, u.a. den als Alternativen Nobelpreis bekannten Right Livelihood Award 2008.

Nora Kellner

Nora Kellner hat Politikwissenschaft und Soziologie studiert und absolviert ihren Master in Gender und Queer Studies. Aufgerüttelt durch persönliche Erfahrungen zeigt sie in ihrem ersten Buch „OpferMacht. Klartext reden über sexualisierte Gewalt“, wie sich sexualisierte Gewalt auf das Leben von Betroffenen auswirkt. In der Analyse ihrer eigenen Geschichte nimmt sie immer wieder Bezug auf gesellschaftliche Debatten und verdeutlicht die strukturellen Dimensionen sexualisierter Gewalt.

Dr. Jonas Kneer

Dr. Dipl.-Psych. Jonas Kneer ist Psychologischer Psychotherapeut und Sexualtherapeut (DGSMP) und arbeitet beim Präventionsprojekt „I can change“. Das I CAN CHANGE – Projekt zur Prävention und Behandlung dysregulierter Sexualität ist ein diagnostisches und therapeutisches Angebot. Es soll Menschen unterstützen, die unter sexuellen Impulsen leiden und Hilfe suchen, weil sie fürchten, diese nicht mehr kontrollieren zu können.

Laura Leupi 

Laura Leupi arbeitet für verschiedene Theater und schreibt Prosa- und Performancetexte. Zuletzt war Laura Leupi Hausautor*in am Theater Basel. Lauras Debüt „Das Alphabet der sexualisierten Gewalt“ wurde beim Bachmannpreis 2023 mit dem 3sat-Preis und 2025 mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

Loraine Dabaly Rehm

Loraine Dabaly Rehm ist eine erfahrene Pädagogin mit über 20 Jahren Praxis in der Arbeit. Ihr Fachwissen verbindet tiefgehende pädagogische Expertise mit praxisnaher Projektarbeit, engagiertem Ehrenamt und gesellschaftspolitischem Aktivismus. Als Pan-Afrikanistin bringt sie zudem einen kritischen, intersektionalen Blick auf Strukturen und Bildungschancen ein.

Lilian Schwerdtner

Lilian Schwerdtner hat Philosophie, Soziologie und jeweils noch ein bisschen Gender Studies, Politikwissenschaft und Psychologie in Münster, Wien, Berlin und Vilnius studiert. Seit #MeToo beschäftigt sie sich theoretisch und aktivistisch mit sexualisierter Gewalt und ist Teil des Berliner Kollektivs Actions against Rape Culture. Seit 2020 produziert das Kollektiv den Podcast Not your Opfer, mit dem Betroffene unterstützt und Empowermentstrategien geteilt werden sollen.

Dr. Laura Wolters

Dr. phil. Laura Wolters ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet in der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit am Hamburger Institut für Sozialforschung. Sie studierte Philosophie und Politikwissenschaft an den Universitäten Osnabrück und Bremen. In ihrer Dissertation „Vom Antun und Erleiden“ (Hamburg 2022) hat sie eine soziologische Perspektive auf gemeinschaftlich begangene sexuelle Gewalt ausgearbeitet. Inzwischen arbeitet sie an einem Forschungsprojekt zur Geistesarbeit innerhalb der radikalen Rechten.

Sadaf Zahedi 

Sadaf Zahedi ist eine afghanisch-deutsche Schriftstellerin, Aktivistin und Poetry-Slammerin. Ihre künstlerische und politische Arbeit ist geprägt von den Themen Flucht, Identitätssuche und dem Kampf um persönliche Freiheit. Sie engagiert sich insbesondere für die Rechte von Frauen und Mädchen sowie für den Zugang zu Bildung unabhängig von Schrift und Büchern. Zahedi ist Gründerin des Vereins „Bildung ohne Bücher“

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