Aufwachsen mit suchtkranken Eltern: COA-Aktionswoche

16.02.2026

Millionen Kinder in Deutschland wachsen mit suchtkranken Eltern auf – und bleiben dabei meist unsichtbar. Unter dem Motto #wirsindsichtbar macht die diesjährige COA-Aktionswoche (Children of Alcoholics / Children of Addicts) auf eine oft übersehene Realität aufmerksam.

Rund 3 Millionen Kinder wachsen mit suchtkrankem Elternteil auf

In Deutschland leben laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. rund 2,65 Millionen Kinder mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil. Etwa 60.000 Kinder haben einen Elternteil, der von illegalen Drogen abhängig ist. Insgesamt sind rund drei Millionen Kinder und Jugendliche betroffen – das entspricht jedem sechsten Kind in Deutschland (DHS 2022).

Besondere Last für betroffene Kinder

„Kinder, die mit suchterkrankten Personen aufwachsen, tragen oft eine besondere Last“, sagt Iris von Engeln, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Bremen. Sie übernehmen nicht selten Verantwortung, die nicht ihrem Alter entspricht. Häufig gehen sie müde in die Schule oder wirken bedrückt und still. Unsicherheit, Überforderung, Scham und Angst vor Ausgrenzung lassen sie fast unsichtbar werden.

Wollen Familiensystem schützen

Hinzu kommt, dass die Kinder von klein auf wissen, dass nichts nach außen gelangen darf. Sie schützen ihr Familiensystem und haben zudem die Last, es tragen zu müssen. Kinder berichten selbst: „Wenn Mama trinkt, ist sie total komisch.“ „Abends trinken Mama und Papa Bier und schreien sich an.“ „Papa geht dauernd in den Keller. Das macht ihn froh.“

Diese Aussagen zeigen, wie sensibel und aufmerksam Kinder das Verhalten ihrer Eltern wahrnehmen – und wie stark sie unter der familiären Situation leiden, auch wenn sie nach außen unauffällig wirken. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte können die ersten sein, die Veränderungen bemerken.

Ziel der jährlichen COA-Aktionswoche

Kinder aus dem Schatten holen

Ziel der jährlichen COA-Aktionswocheist es, über die Lebenssituation betroffener Kinder zu informieren und Fachkräfte im Bildungs- und Sozialbereich für ihre Bedürfnisse zu sensibilisieren. „Um Angst, Scham und Stigmata abzubauen, müssen wir über Suchterkrankungen sprechen. Denn wer informiert ist, kann verstehen – und wer versteht, weiß, worauf die Person achten sollte. Lasst uns die Kinder aus dem Schatten holen!“, fordert Anna Tibert, Beraterin im Kinderschutz-Zentrum Bremen.

Kinderschutz-Zentrum Bremen bietet Beratung

Das Kinderschutz-Zentrum Bremen mit aufsuchender Fachberatungsstelle ist eine Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind. Die Berater*innen unterstützen insbesondere bei Problemen mit körperlicher, seelischer oder sexualisierter Gewalt sowie bei Miterleben häuslicher Beziehungsgewalt und Vernachlässigung. Auch Angehörige und Fachkräfte erhalten Beratung. In der telefonischen Sprechzeit wird bei Bedarf an andere Beratungsstellen verwiesen, die z.B. spezielle fachliche Expertise bei Suchterkrankungen haben.

Fortbildung „Kinder aus Familien mit suchterkrankten Eltern“

Der Kinderschutzbund Bremen bietet am 3. November 2026 eine Fortbildung an, die Teilnehmenden praxisnahe Strategien bietet, Anzeichen von Belastungen wahrzunehmen, betroffene Kinder frühzeitig zu unterstützen und ihnen Halt zu geben. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.dksb-bremen.de/fachkreafte/fortbildungen

Quelle: Der Kinderschutzbund Landesverband Bremen e.V, Pressemitteilung, 16.02.2026


Bundesweite COA-Aktionswoche 2026

Starke Unterstützung für Kinder aus suchtbelasteten Familien: Die Influencerin Betty Taube und der Bundesdrogenbeauftragte Prof. Hendrik Streeck übernehmen die Schirmherrschaft für die bundesweite COA-Aktionswoche 2026. Unter dem Motto „Wir werden sichtbar“ werden vom 22. bis 28. Februar 2026 in ganz Deutschland rund 100 Veranstaltungen und Aktionen stattfinden.

Ziel ist es, auf die Herausforderungen und Risiken aufmerksam zu machen, die das Aufwachsen mit suchtkranken Elternteilen mit sich bringt – und auf Wege zu Hilfe und Unterstützung hinzuweisen.

Mehr zur COA Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien