Erster Landespflegebericht für das Bundesland Bremen veröffentlicht

14.11.2023

Der Bericht bietet einen umfassenden stadtteilscharfen Überblick über die pflegerische Versorgung und die Angebote in der offenen Altenhilfe.

Die deutsche Gesellschaft wird immer älter – aber nicht überall: Während bundesweit die Zahl an Menschen, die 80 Jahre oder älter sind, von 2021 bis 2035 um 5,7 Prozent zunehmen wird, sinkt sie im Land Bremen um 0,3 Prozent. Auch der Anteil der „jungen Alten“ ab 67 Jahren wird hierzulange weniger stark als bundesweit steigen. Derzeit ist Bremens „ältester“ Stadtteil Schwachhausen: Mit rund 9.500 Menschen über 65 Jahre lebten dort 2021 die meisten Senioren.

Diese und viele andere Daten sind Teil des jetzt veröffentlichten ersten Landespflegeberichts für Bremen und Bremerhaven, den die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration in Auftrag gegeben hatte. Erstellt wurde er unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Rothgang, Thomas Kalwitzki und Benedikt Preuß vom SOCIUM – Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (Universität Bremen), und Dr. Johanna Krawietz von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V.

Umfassender Überblick und Handlungsempfehlungen für die Zukunft

Mit dem Landespflegebericht liegt nun stadtteilscharf der bislang umfassendste Überblick über die aktuelle Lage der pflegerischen Versorgung und die Angebote in der offenen Altenhilfe in Bremen und Bremerhaven vor. Gleichzeitig bildet der Bericht die Grundlage für die zukünftige Versorgungsplanung und enthält Handlungsempfehlungen.

Sozialsenatorin Dr. Claudia Schilling: „Der Landespflegebericht bietet allen Entscheidungsträgern eine große Fülle an Informationen. Er ist eine wichtige Grundlage für die sozialräumliche Betrachtung der Struktur der Angebote in den verschiedenen Ortsteilen. Die Analyse zeigt pro Stadtteil die individuellen Bedarfe älterer Menschen und verdeutlicht, wie vielfältig und umfassend die vom Sozialressort geförderten und unterstützten Angebote der offenen Altenhilfe in Bremen bereits heute sind.“

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard: „Es wird für die Arbeit in Zukunft eine große Erleichterung sein, dass Pflege und Gesundheit – einschließlich der Aus- und Weiterbildung in der Pflege – künftig in einem Ressort vereint sind. Der Landespflegebericht liefert eine erste Grundlage, um entsprechende Entscheidungen für die pflegerische und gesundheitliche Versorgung der Bremerinnen und Bremer treffen zu können. Dabei ist die Betrachtung der quartiersbezogenen Gegebenheiten besonders hilfreich, um bedarfsgerechte Angebote entwickeln zu können.“

Pflegerische Versorgung sicherstellen

Prof. Dr. Heinz Rothgang, Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik: „Mit dem Landespflegebericht liegt erstmals eine umfassende Datensammlung vor, auf deren Grundlage eine Landespflegeplanung entstehen kann, die darauf abzielt, die pflegerische Versorgung in Bremen sicherzustellen.“

Dr. Johanna Krawietz, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e.V.: „Wie Pflegebedürftigkeit präventiv begegnet werden kann, spielt für die zukünftige Bewältigung der gesamtpflegerischen Versorgungssituation eine wichtige Rolle. Der Landespflegebericht legt hierzu wichtige Ergebnisse an der Schnittstelle von sozialer Teilhabe und Pflege vor und verzahnt die Pflege- und Altenhilfeberichterstattung miteinander.“

Fakten aus dem Landespflegebericht

  • Im Land Bremen und beiden Städten altert die Bevölkerung bis 2035 weniger stark als in Deutschland und den meisten anderen Bundesländern.
  • Die absolute Zahl der Personen im Alter von 80+ und deren Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt. Diese Klientel ist in Bezug auf Pflegebedürftigkeit von besonderer Bedeutung.
  • Die Anzahl der jungen Alten (67 – 79 Jahre) nimmt bundesweit zu
  • dies ist relevant für pflegeunterstützende Angebote und offene Altenhilfe.
  • Es kommt zu Verschiebungen der Altersverteilung in den Stadtteilen: tendenziell altern junge Stadtteile zunehmend, während sich ältere Stadtteile verjüngen.
  • Ambulante Pflegedienste und Pflegeheime liegen eher zentral und nicht in den Stadtteilen, in denen der Großteil der zukünftigen pflegebedürftigen Personen lebt.
  • Tagespflegeeinrichtungen sind dort lokalisiert, wo ein Großteil der älteren Bevölkerung lebt.
  • Bundesweit ist die Versorgung weitestgehend durchschnittlich.
  • Zwischen Bremen und Bremerhaven gibt es Unterschiede, größere Unterschiede sind zwischen den Stadtteilen in der Stadtgemeinde Bremen zu beobachten.

Zur Struktur des Landespflegeberichts:
Der Landespflegebericht ist in zwei Teile gegliedert.

  • Teil I („Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf“) behandelt auf Basis der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes die Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen und setzt sie – auch im Vergleich mit den anderen Bundesländern – in Relation zur Entwicklung der pflegerischen und medizinischen Angebote.
  • Teil II („Pflegeunterstützende Angebote und offene Altenhilfe“) zielt auf eine kleinräumige Betrachtung der Hilfsstrukturen auf Ortsteilebene. Zusätzlich wurde eine Personalbedarfsermittlung für die Pflegeheime im Land Bremen durchgeführt. Geplant ist, dass der Landespflegebericht regelmäßig aktualisiert wird.

Den Landespflegebericht zum Download finden Sie hier.

Quelle: Senatspressetelle der Freien Hansestadt Bremen, Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration/Die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, Pressemitteilung „Erster Landespflegebericht für das Bundesland Bremen veröffentlicht“, 10.11.2023