Gemeinsam stark in der Zeugnisphase: Zuhören, entlasten, unterstützen
30.01.2026
Wachsende Belastungen junger Menschen
Die Halbjahreszeugnisse markieren für viele Schüler:innen eine sensible Phase. Neben schulischen Leistungen rücken in dieser Zeit häufig auch Selbstzweifel, Leistungsdruck, Konflikte im sozialen Umfeld oder Erfahrungen mit Mobbing in den Vordergrund. Die Bundesschülerkonferenz (BSK) und Nummer gegen Kummer e.V. nehmen die anstehende Zeugnisvergabe daher gemeinsam zum Anlass, auf die zunehmenden psychischen Belastungen junger Menschen hinzuweisen – und auf ein System, das Unterstützung leisten soll, aber selbst zunehmend unter Druck steht.
Nährboden für Schulangst, Ausgrenzung oder psychische Erkrankungen
„Die Zeugnisphase darf nicht darüber entscheiden, wie junge Menschen sich selbst sehen oder wie wertvoll sie sich fühlen. Wenn diese Gefühle im Raum Schule jedoch zum Alltag werden, dann entsteht der perfekte Nährboden für Schulangst, Ausgrenzung oder psychische Erkrankungen. Gerade in kritischen Entwicklungsphasen sind solche Einschränkungen oft viel weitreichender und bedürfen schneller Reaktion vom gesamten System“, sagt die stellvertretende Generalsekretärin der BSK, Lilli Berthold.
Mental-Health-Kampagne „Uns geht’s gut?“
Mit ihrer Mental-Health-Kampagne „Uns geht’s gut?“ macht die BSK deutlich, dass Schule längst mehr ist als ein Ort der Wissensvermittlung. Lehrkräfte sollen zuhören, entlasten, unterstützen, Konflikte auffangen und zugleich den Bildungsauftrag erfüllen. Doch viele stoßen dabei an ihre Grenzen. Das Deutsche Schulbarometer 2025 (Robert Bosch Stiftung) zeigt: 43 Prozent der Lehrkräfte sehen einen hohen Fortbildungsbedarf, um mit den wachsenden psychischen und sozialen Herausforderungen von Schüler:innen umzugehen.
Vielerorts fehlt es an professioneller Unterstützung
Gleichzeitig fehlt es vielerorts an professioneller Unterstützung: Nur 61 Prozent der Lehrkräfte schätzen die psychosoziale Infrastruktur ihrer Schule als ausreichend ein. 38 Prozent der Lehrkräfte gaben an, dass die Unterstützung durch Schulpsychologie an ihrer Schule „überhaupt nicht“ ausreichend ist. Für Schüler:innen bedeutet das: Sie erleben Belastungen, ohne ausreichend zu lernen, wie sie mit Stress, Druck oder starken Gefühlen umgehen können. Themen wie emotionale Selbstregulation, mentale Gesundheit oder der Umgang mit Krisen finden im Schulalltag oft nur am Rand statt – obwohl sie für das Wohlbefinden junger Menschen zentral sind.
Nummer gegen Kummer e.V. bietet Hilfe
Hier setzen die Angebote von Nummer gegen Kummer e.V. an. Mit seinen niederschwelligen, anonymen und kostenlosen Beratungsangeboten bietet der Verein gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden eine wichtige Anlaufstelle. Kinder, Jugendliche und Eltern können im vertraulichen Gespräch über ihre Themen reden und finden jemanden, der zuhört – unabhängig von Noten, Leistungsbewertungen oder Erwartungen.
Belastungen junger Menschen auffangen
Gerade in der Zeugnisphase, in der Lernstress häufig mit familiären Spannungen oder persönlichen Sorgen zusammenkommt, sind solche Anlaufstellen von besonderer Bedeutung. „Nicht jede Belastung kann oder muss in der Schule aufgefangen werden. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen wissen: Es gibt auch Orte außerhalb des Klassenzimmers, an denen sie über ihre Sorgen sprechen können und Unterstützung erfahren“, sagt Anna Zacharias, Geschäftsführerin von Nummer gegen Kummer e.V.
Zeugnisse nicht einziger Gradmesser für Wert oder Zukunft
Die BSK und Nummer gegen Kummer e.V. machen deutlich: Mentale Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zeugnisse sollten nicht zum einzigen Gradmesser für den Wert oder die Zukunft junger Menschen werden. Vielmehr braucht es Verständnis, Gesprächsbereitschaft und verlässliche Unterstützungsangebote – für Schüler:innen ebenso wie für die Erwachsenen, die sie begleiten.
Darüber reden hilft
Bei den Angeboten von Nummer gegen Kummer e.V. können sich Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Bezugspersonen kostenlos und anonym beraten lassen.
0800 111 0 550
Mo – Fr: 9 – 17 Uhr, Di + Do: 17 – 19 Uhr
(anonym, kostenlos)
116 111
Mo – Sa: 14 – 20 Uhr
(anonym, kostenlos)
www.nummergegenkummer.de
0800 500 225 0
Mo – Fr: 14 – 17 Uhr
(anonym, kostenlos)
Nummer gegen Kummer e.V. wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Deutschen Telekom unterstützt. Seit 1991 stellt die Deutsche Telekom als Kooperationspartner der Nummer gegen Kummer e.V. die technische Infrastruktur für das bundesweite Beratungsangebot kostenfrei zur Verfügung. Außerdem übernimmt sie die Verbindungsgebühren für die Anrufe an die Beratungstelefone.
Quelle: Nummer gegen Kummer e.V., Pressemitteilung, 26.01.2026