Frauen und Arbeit: Vorstellung der ZGF-Initiative „Vielfalt vor!“

26.04.2024

Rund 40 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Kammern und Verbänden trafen sich zu der Vorstellung der ZGF-Initiative „Vielfalt vor! Frauen | Migration | Arbeit“. Ziel der Initiative ist es, ein breites Bündnis und Netzwerk zu bilden, um Frauen mit Migrations- und Fluchthintergrund im Land Bremen schneller und nachhaltiger eine existenzsichernde Beschäftigung zu ermöglichen.

In seinem Vortrag gab Joachim Ossmann, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, einen Überblick über die Arbeitsmarktsituation von im Land Bremen lebenden Ausländerinnen. Die Staatsrätin Arbeit bei der Senatorin für Arbeit, Karin Treu, die Migrations- und Integrationsbeauftragte im Land Bremen, Nadezhda Milanova, der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Bremen, Cornelius Neumann-Redlin, und die stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Bremen, Wiebke Müller, fassten in kurzen Redebeiträgen die für sie wichtigsten Lösungsvorschläge und Handlungsbedarfe zusammen:

Niedrige Erwerbstätigenquote bei Frauen mit Migrationshintergrund

Fast 40 Prozent der im Land Bremen lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund, rund die Hälfte von ihnen sind Frauen. Arbeit ist ein wichtiger Faktor für ihre Integration und wesentliche Voraussetzung für ihre gesellschaftliche Teilhabe. Gerade bei Frauen mit Migrationshintergrund ist die Erwerbstätigenquote im Land Bremen mit circa 53 Prozent besonders niedrig. „Offensichtlich funktionieren die aktuellen Strukturen und Angebote nur bedingt und erreichen die Frauen nicht ausreichend. Wir müssen daher unsere Kräfte bündeln. Um dies zu erreichen, startet die ZGF ihre Initiative ‚Vielfalt vor!‘ „, erklärt Bettina Wilhelm, Landesfrauenbeauftragte von Bremen.

Eine wichtige Maßnahme, um die Arbeitsmarktintegration von Frauen mit Flucht- und Migrationshintergrund zu verbessern, sieht die Initiative „Vielfalt vor!“ in der Entwicklung und Einführung von Qualitätskriterien. Damit werden die Erfolge der angebotenen Maßnahmen messbar. Joachim Ossmann äußerte sich auf der Veranstaltung zu dem Thema wie folgt: „Eine Erfolgskontrolle der Angebote und Maßnahmen ist ganz wichtig. Dabei geht es nicht um Teilnehmendenzahlen, sondern vielmehr darum, wie viele Menschen wir damit in eine Beschäftigung bekommen.“

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Ein Thema, das sich durch die Redebeiträge der Veranstaltung zog war der Bedarf von Frauen mit Migrationshintergrund an Kinderbetreuung und Teilzeitangeboten. Zwei Voraussetzungen, um vielen von ihnen überhaupt eine Teilnahme an Sprachkursen oder Qualifizierungsmaßnahmen zu ermöglichen. Diese wiederum sind für viele der Frauen notwendig, um langfristig in einem Beruf zu arbeiten, der ihre Existenz sichert.

Staatsrätin Karin Treu sagt dazu: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Hürde für viele Frauen mit Migrationsbiographie. Verlässliche Ganztagsbetreuungsangebote für Kinder sind dabei ganz wichtige Stellschrauben. Wir müssen zudem den Mädchen und jungen Frauen Wege in gut bezahlte Beschäftigungen, zum Beispiel in die sogenannten männertypischen Berufe, aufzeigen. Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viele Frauen existenzsichernd arbeiten.“

Passgenaue Angebote und Verzahnung der Angebote

Die Landesfrauenbeauftragte betonte in ihrer Rede zudem, dass es passgenaue Angebote geben müsse, die die unterschiedlichen Bedarfe der Frauen mit Migrationshintergrund berücksichtigten. „Denn die Frauen haben unterschiedlichen Kompetenzen, Erfahrungen, familiäre Umfelder, kommen aus vielen verschiedenen Ländern, sind neu zugezogen oder leben schon lange in Bremen. All das müssen wir mitdenken“, fordert Bettina Wilhelm.

Wiebke Müller vom Jobcenter Bremen bestätigt: „Die Frauen mit Migrationshintergrund im Bürgergeldbezug sind sehr vielfältig. Deshalb benötigen sie auch Angebote, die spezifisch auf sie zugeschnitten sind. Zudem müssen die Maßnahmen und Angebote in den schon vorhandenen Strukturen miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt sein: Von Bratungsangeboten über Sprachkursen bis hin zu Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.“

Der KfW-ifo-Fachkräftebarometer aus dem Jahr 2023 sieht 42 Prozent aller Unternehmen in Deutschland inzwischen vom Fachkräftemangel betroffen. Cornelius Neumann-Redlin vom Unternehmensverband Bremen kann das aus der Praxis bestätigen: „Den Unternehmen fehlen Fach- und Arbeitskräfte und die Lage wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen. Diese Situation bietet gerade auch für Frauen mit Migrationshintergrund zunehmend Chancen auf Beschäftigung. Das bestätigen auch die Zahlen für das Land Bremen, die einen großen Zuwachs bei der Beschäftigung von Frauen mit Migrationshintergrund aufzeigen.“

Auch Ossmann sieht positive Signale: „Wir sollten immer beide Seiten der Medaille betrachten. Auf der einen Seite gibt es im Land Bremen eine hohe Arbeitslosenquote bei Ausländerinnen, auf der anderen Seite gab es in den vergangenen acht Jahren aber auch einen hohen Zuwachs bei ihrer Beschäftigung, insbesondere zum Beispiel in dem Bereich Gesundheit und Sozialwesen.“

Integration ist eine Querschnittsaufgabe

Die ZGF freut sich, dass so viele Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus ganz unterschiedlichen Bereichen bei der Veranstaltung zusammengekommen sind und über die große Relevanz, die dem Thema beigemessen wird. Denn, so beschreibt es Nadezhda Milanova: „Wir müssen alle Politikfelder durch eine Integrationsbrille betrachten und entsprechend verzahnen: Egal ob Wirtschafts-, Bildungs-, Sozial- oder Frauenpolitik, sie alle müssen Migration und Integration mitdenken und als ineinandergreifende Aufgabenfelder verstehen. Nur so können wir gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit ernsthaft erreichen.“

Informationen zu der ZGF-Initiative „Vielfalt vor! Frauen | Migration | Arbeit“

Quelle: Senatspressestelle der Freien Hansestadt Bremen, Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF), Pressemitteilung, 25.04.2024